Diese Checkliste ist als praktischer Leitfaden für Unternehmen konzipiert, die bis zum 27. September 2026 die Anforderungen der EmpCo-Richtlinie (EU 2024/825) erfüllen müssen. Sie ist bewusst handlungsorientiert formuliert: Statt rechtlicher Theorie finden Sie konkrete Schritte, klare Verantwortlichkeiten, realistische Aufwandsschätzungen und Hinweise auf typische Fehler. Die fünfzig Punkte sind in sieben Phasen gegliedert, die idealerweise sequenziell abgearbeitet werden — Phase 1 liefert den Überblick, Phase 7 sichert den dauerhaften Compliance-Status.
Jeder Punkt ist nach demselben Schema aufgebaut. Sie erfahren, was zu tun ist — also die konkrete Aufgabe in ihrem operativen Detail. Sie erfahren, wer es macht — die typische Rollenverteilung zwischen Marketing, Legal, Geschäftsführung und IT. Sie erfahren den geschätzten Aufwand, damit Sie Ressourcen planen können. Sie erhalten eine Empfehlung zum passenden Tool — entweder Empcora oder etablierte Standardwerkzeuge. Und Sie erfahren die häufigsten Fehler, an denen ähnliche Projekte in der Praxis scheitern.
Die Reihenfolge der Phasen folgt der natürlichen Logik eines Compliance-Projekts: Erst messen, dann verbieten, dann ersetzen, dann nachweisen, dann verstetigen. Wer Phase 4 (Nachweise) vor Phase 1 (Audit) angeht, sammelt Belege für Aussagen, die später gar nicht mehr bestehen — verschwendete Mühe. Wer Phase 7 (Monitoring) auslässt, hat zwar einen Compliance-Stand, aber kein System, um diesen zu halten. Bleiben Sie deshalb möglichst in der vorgegebenen Reihenfolge, auch wenn einzelne Punkte parallel bearbeitet werden können.
Wichtig zur Einordnung: Diese Checkliste ist umfassend, aber keine Rechtsberatung. Sie deckt die typischen Anforderungen ab, kann aber individuelle Besonderheiten Ihrer Branche, Ihrer Produktlinien oder Ihres internationalen Vertriebs nicht vollständig erfassen. In Zweifelsfällen — insbesondere bei hohen Bußgeldrisiken oder bestehenden Abmahnungen — sollten Sie eine spezialisierte Anwaltskanzlei einbeziehen. Empcora ersetzt keine juristische Bewertung, beschleunigt aber massiv die operative Umsetzung der ersten 30 Punkte.
Die Checkliste eignet sich gleichermaßen für KMU mit knappen Ressourcen wie für mittelständische Unternehmen mit Compliance-Abteilung. Bei kleineren Organisationen ist es ratsam, die Punkte 29 (CO2-Bilanz nach GHG Protocol) und 30 (LCA) abgespeckt umzusetzen — eine vollständige Scope-3-Bilanz ist für ein 20-Personen-Unternehmen häufig überdimensioniert. Für größere Unternehmen sind alle 50 Punkte Pflichtprogramm, insbesondere wenn Sie in mehreren EU-Ländern aktiv sind.
Ein wichtiger Hinweis zur Aufwandsschätzung: Die angegebenen Stunden- und Tagewerte basieren auf einem mittelständischen Unternehmen mit 50 bis 250 Mitarbeitenden, einer Marketingabteilung von zwei bis fünf Personen und einer überschaubaren Produktpalette. Bei sehr kleinen Unternehmen mit ein bis zwei Marketing-Verantwortlichen sind die Aufwände eher höher, weil Spezialwissen fehlt und mehr extern eingekauft werden muss. Bei großen Konzernen mit mehreren hundert Produktvarianten und internationalem Marketing sind die Aufwände dramatisch höher — rechnen Sie dort mit dem Drei- bis Fünffachen unserer Schätzungen.
Beachten Sie außerdem: Die EmpCo-Richtlinie ist die EU-Vorlage, die Umsetzung in österreichisches Recht erfolgt durch die Anpassung des Bundesgesetzes gegen den unlauteren Wettbewerb (UWG). Die wesentlichen Verbote sind nach aktuellem Stand identisch, aber es können sich nationale Besonderheiten ergeben — etwa zu Übergangsfristen, Bagatellgrenzen oder zur Beweislast. Halten Sie sich über die finale österreichische UWG-Anpassung auf dem Laufenden, die voraussichtlich im Laufe des zweiten Quartals 2026 in Kraft treten wird. Empcora aktualisiert seine Begriffsliste automatisch, sobald neue Rechtsprechung oder Gesetzesänderungen vorliegen.
Damit Sie die Checkliste effizient durcharbeiten können, empfehlen wir folgende Vorgehensweise: Drucken Sie die Checkliste oder kopieren Sie sie in ein Projektmanagement-Tool wie Asana, Trello oder Notion. Weisen Sie jedem Punkt eine verantwortliche Person und einen Zieltermin zu. Legen Sie wöchentliche Status-Termine an, in denen der Fortschritt besprochen wird. Halten Sie alle Belege, Korrespondenz mit Lieferanten und Entwürfe von Werbetexten in einem zentralen Repository fest — das ist gleichzeitig die Vorbereitung für Punkt 32. So entsteht aus der Checkliste ein lebendiges Compliance-Projekt, das nicht nach dem 27. September 2026 endet, sondern in Ihren regulären Marketing- und Compliance-Prozess übergeht.
Ein letzter Hinweis: Diese Checkliste fokussiert auf die EmpCo-Richtlinie und damit verbundene Greenwashing-Anforderungen. Sie ersetzt nicht die Prüfung anderer rechtlicher Anforderungen wie etwa die Lieferkettensorgfaltspflicht, die CSRD-Berichtspflichten, das Verpackungsgesetz oder die HCVO bei Lebensmitteln. Diese parallelen Regelwerke haben teilweise eigene Belegpflichten, die mit den EmpCo-Anforderungen verzahnt werden sollten — insbesondere wenn Sie die Sorgfaltsdokumentation einmal aufbauen, sollten Sie diese gleich für alle relevanten Regelungen verwendbar gestalten. Sprechen Sie mit Ihrer Compliance-Abteilung oder Ihrem Anwalt, welche weiteren Regelwerke parallel zu betrachten sind.