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Compliance-Checkliste

EmpCo in 50 Schritten

Die vollständige Anleitung zur Umsetzung der EmpCo-Richtlinie (EU 2024/825) bis zum Stichtag am 27. September 2026. Sieben Phasen, fünfzig konkrete Schritte, klare Aufwandsschätzungen und häufige Fehler — alles, was Sie brauchen, um Ihr Abmahn-Risiko zu reduzieren.

50 konkrete Punkte7 PhasenLetztes Update: 10. April 2026

Inhaltsverzeichnis

  1. 01Wie diese Checkliste funktioniert
  2. 02Phase 1: Audit & Bestandsaufnahme (Punkt 1–10)
  3. 03Phase 2: Per-se-Verbote eliminieren (Punkt 11–18)
  4. 04Phase 3: Generische Begriffe ersetzen (Punkt 19–28)
  5. 05Phase 4: Nachweise sammeln & dokumentieren (Punkt 29–36)
  6. 06Phase 5: Zukunftsversprechen prüfen (Punkt 37–41)
  7. 07Phase 6: Siegel & Zertifikate (Punkt 42–46)
  8. 08Phase 7: Monitoring & laufende Compliance (Punkt 47–50)
  9. 09Zusammenfassung & Zeitplan
  10. 10Tools & Vorlagen
  11. 11Häufige Fragen
  12. 12Jetzt starten

Wie diese Checkliste funktioniert

Diese Checkliste ist als praktischer Leitfaden für Unternehmen konzipiert, die bis zum 27. September 2026 die Anforderungen der EmpCo-Richtlinie (EU 2024/825) erfüllen müssen. Sie ist bewusst handlungsorientiert formuliert: Statt rechtlicher Theorie finden Sie konkrete Schritte, klare Verantwortlichkeiten, realistische Aufwandsschätzungen und Hinweise auf typische Fehler. Die fünfzig Punkte sind in sieben Phasen gegliedert, die idealerweise sequenziell abgearbeitet werden — Phase 1 liefert den Überblick, Phase 7 sichert den dauerhaften Compliance-Status.

Jeder Punkt ist nach demselben Schema aufgebaut. Sie erfahren, was zu tun ist — also die konkrete Aufgabe in ihrem operativen Detail. Sie erfahren, wer es macht — die typische Rollenverteilung zwischen Marketing, Legal, Geschäftsführung und IT. Sie erfahren den geschätzten Aufwand, damit Sie Ressourcen planen können. Sie erhalten eine Empfehlung zum passenden Tool — entweder Empcora oder etablierte Standardwerkzeuge. Und Sie erfahren die häufigsten Fehler, an denen ähnliche Projekte in der Praxis scheitern.

Die Reihenfolge der Phasen folgt der natürlichen Logik eines Compliance-Projekts: Erst messen, dann verbieten, dann ersetzen, dann nachweisen, dann verstetigen. Wer Phase 4 (Nachweise) vor Phase 1 (Audit) angeht, sammelt Belege für Aussagen, die später gar nicht mehr bestehen — verschwendete Mühe. Wer Phase 7 (Monitoring) auslässt, hat zwar einen Compliance-Stand, aber kein System, um diesen zu halten. Bleiben Sie deshalb möglichst in der vorgegebenen Reihenfolge, auch wenn einzelne Punkte parallel bearbeitet werden können.

Wichtig zur Einordnung: Diese Checkliste ist umfassend, aber keine Rechtsberatung. Sie deckt die typischen Anforderungen ab, kann aber individuelle Besonderheiten Ihrer Branche, Ihrer Produktlinien oder Ihres internationalen Vertriebs nicht vollständig erfassen. In Zweifelsfällen — insbesondere bei hohen Bußgeldrisiken oder bestehenden Abmahnungen — sollten Sie eine spezialisierte Anwaltskanzlei einbeziehen. Empcora ersetzt keine juristische Bewertung, beschleunigt aber massiv die operative Umsetzung der ersten 30 Punkte.

Die Checkliste eignet sich gleichermaßen für KMU mit knappen Ressourcen wie für mittelständische Unternehmen mit Compliance-Abteilung. Bei kleineren Organisationen ist es ratsam, die Punkte 29 (CO2-Bilanz nach GHG Protocol) und 30 (LCA) abgespeckt umzusetzen — eine vollständige Scope-3-Bilanz ist für ein 20-Personen-Unternehmen häufig überdimensioniert. Für größere Unternehmen sind alle 50 Punkte Pflichtprogramm, insbesondere wenn Sie in mehreren EU-Ländern aktiv sind.

Ein wichtiger Hinweis zur Aufwandsschätzung: Die angegebenen Stunden- und Tagewerte basieren auf einem mittelständischen Unternehmen mit 50 bis 250 Mitarbeitenden, einer Marketingabteilung von zwei bis fünf Personen und einer überschaubaren Produktpalette. Bei sehr kleinen Unternehmen mit ein bis zwei Marketing-Verantwortlichen sind die Aufwände eher höher, weil Spezialwissen fehlt und mehr extern eingekauft werden muss. Bei großen Konzernen mit mehreren hundert Produktvarianten und internationalem Marketing sind die Aufwände dramatisch höher — rechnen Sie dort mit dem Drei- bis Fünffachen unserer Schätzungen.

Beachten Sie außerdem: Die EmpCo-Richtlinie ist die EU-Vorlage, die Umsetzung in österreichisches Recht erfolgt durch die Anpassung des Bundesgesetzes gegen den unlauteren Wettbewerb (UWG). Die wesentlichen Verbote sind nach aktuellem Stand identisch, aber es können sich nationale Besonderheiten ergeben — etwa zu Übergangsfristen, Bagatellgrenzen oder zur Beweislast. Halten Sie sich über die finale österreichische UWG-Anpassung auf dem Laufenden, die voraussichtlich im Laufe des zweiten Quartals 2026 in Kraft treten wird. Empcora aktualisiert seine Begriffsliste automatisch, sobald neue Rechtsprechung oder Gesetzesänderungen vorliegen.

Damit Sie die Checkliste effizient durcharbeiten können, empfehlen wir folgende Vorgehensweise: Drucken Sie die Checkliste oder kopieren Sie sie in ein Projektmanagement-Tool wie Asana, Trello oder Notion. Weisen Sie jedem Punkt eine verantwortliche Person und einen Zieltermin zu. Legen Sie wöchentliche Status-Termine an, in denen der Fortschritt besprochen wird. Halten Sie alle Belege, Korrespondenz mit Lieferanten und Entwürfe von Werbetexten in einem zentralen Repository fest — das ist gleichzeitig die Vorbereitung für Punkt 32. So entsteht aus der Checkliste ein lebendiges Compliance-Projekt, das nicht nach dem 27. September 2026 endet, sondern in Ihren regulären Marketing- und Compliance-Prozess übergeht.

Ein letzter Hinweis: Diese Checkliste fokussiert auf die EmpCo-Richtlinie und damit verbundene Greenwashing-Anforderungen. Sie ersetzt nicht die Prüfung anderer rechtlicher Anforderungen wie etwa die Lieferkettensorgfaltspflicht, die CSRD-Berichtspflichten, das Verpackungsgesetz oder die HCVO bei Lebensmitteln. Diese parallelen Regelwerke haben teilweise eigene Belegpflichten, die mit den EmpCo-Anforderungen verzahnt werden sollten — insbesondere wenn Sie die Sorgfaltsdokumentation einmal aufbauen, sollten Sie diese gleich für alle relevanten Regelungen verwendbar gestalten. Sprechen Sie mit Ihrer Compliance-Abteilung oder Ihrem Anwalt, welche weiteren Regelwerke parallel zu betrachten sind.

Phase 1: Audit & Bestandsaufnahme
Punkt 1–10
Phase 2: Per-se-Verbote eliminieren
Punkt 11–18
Phase 3: Generische Begriffe ersetzen
Punkt 19–28
Phase 4: Nachweise sammeln & dokumentieren
Punkt 29–36
Phase 5: Zukunftsversprechen prüfen
Punkt 37–41
Phase 6: Siegel & Zertifikate
Punkt 42–46
Phase 7: Monitoring & laufende Compliance
Punkt 47–50
Punkt 1–10

Audit & Bestandsaufnahme

Bevor Sie Werbeaussagen ändern können, müssen Sie wissen, wo Sie stehen. Phase 1 ist die wichtigste Phase, weil sie die Datenbasis für alle weiteren Schritte liefert. Ein gründlicher Audit erspart Ihnen später Wochen an Nacharbeit. Erfahrungsgemäß werden in Phase 1 zwischen 30 und 70 problematische Begriffe pro mittelständischer Website gefunden. Ohne saubere Erfassung dieser Fundstellen ist eine systematische Bereinigung unmöglich.

Punkt 1Vollständigen URL-Inventarscan erstellen

Was zu tun ist: Listen Sie sämtliche öffentlich erreichbaren URLs Ihrer Domain auf — Hauptseite, Unterseiten, Landingpages, Blogartikel, PDF-Downloads, Produktseiten und Kategorieseiten. Ohne dieses Inventar kann später keine vollständige Prüfung stattfinden. Nutzen Sie Sitemap, Search Console oder einen Crawler.

Wer
Marketing/IT
Aufwand
~2 Stunden
Tool
Empcora (automatisch) / Screaming Frog / Sitemap.xml

Häufiger Fehler: Subdomains wie shop.firma.de oder ratgeber.firma.de werden vergessen — diese müssen separat gescannt werden.

Punkt 2Verbotene Begriffe automatisiert identifizieren

Was zu tun ist: Lassen Sie eine Volltext-Prüfung über alle erfassten Seiten laufen. Gesucht werden Begriffe wie „klimaneutral", „nachhaltig", „umweltfreundlich", „grün", „natürlich", „bio", „eco", „CO2-neutral" und alle Varianten. Erstellen Sie eine Liste mit URL, Begriff, Position im Text und Kategorie (Per-se-Verbot vs. nachweispflichtig).

Wer
Marketing
Aufwand
~30 Minuten (mit Tool)
Tool
Empcora / Excel-Suche / grep

Häufiger Fehler: Bilder, Alt-Texte und Meta-Descriptions werden nicht durchsucht — auch Title-Tags und OpenGraph-Beschreibungen müssen geprüft werden.

Punkt 3Externe Marketingkanäle erfassen

Was zu tun ist: Über die Website hinaus prüfen: LinkedIn-Profil, Google My Business, Newsletter-Templates, Pressemitteilungen, Produktverpackungen, Messestände, Werbeanzeigen (Google Ads, Meta Ads), Social-Media-Posts der letzten 12 Monate. Die EmpCo-Richtlinie gilt für sämtliche kommerzielle Kommunikation.

Wer
Marketing
Aufwand
~1 Tag
Tool
Excel-Übersichtsliste

Häufiger Fehler: Nur die eigene Website wird geprüft — Pressemitteilungen über Drittanbieter und Affiliate-Texte bleiben unberücksichtigt.

Punkt 4Verantwortlichkeiten im Unternehmen klären

Was zu tun ist: Definieren Sie schriftlich, wer im Unternehmen für die EmpCo-Compliance zuständig ist. Wer prüft Werbetexte vor Veröffentlichung? Wer dokumentiert Nachweise? Wer kommuniziert mit der Rechtsabteilung oder externen Anwälten? Erstellen Sie eine RACI-Matrix (Responsible, Accountable, Consulted, Informed).

Wer
Geschäftsführung
Aufwand
~3 Stunden
Tool
Excel / Confluence / Notion

Häufiger Fehler: Es wird nur eine Person als „Greenwashing-Beauftragter" benannt, ohne Vertretungsregelung — bei Urlaub oder Abwesenheit fehlt die Verantwortung.

Punkt 5Risikoklassifizierung nach Branche durchführen

Was zu tun ist: Bewerten Sie das Risiko Ihrer Branche auf einer Skala von niedrig bis hoch. Hochrisiko-Branchen sind Mode, Lebensmittel, Mobilität, Verpackungen und Energie. Branchen-spezifische Per-se-Verbote (z. B. „klimaneutral" bei Reisen) müssen besonders sorgfältig geprüft werden.

Wer
Marketing/Legal
Aufwand
~2 Stunden
Tool
Branchen-Leitfaden (siehe /branchen)

Häufiger Fehler: Die Branche wird zu pauschal eingestuft — innerhalb einer Branche gibt es Produkte mit hohem und niedrigem Risiko.

Punkt 6Wettbewerber-Benchmark erheben

Was zu tun ist: Prüfen Sie 5–10 direkte Wettbewerber auf deren Greenwashing-Aussagen. Welche Begriffe werden dort verwendet? Wie wird begründet? Gibt es bereits Abmahnungen gegen Wettbewerber? Dies hilft, Branchenüblichkeit und Risikoniveau zu verstehen.

Wer
Marketing
Aufwand
~4 Stunden
Tool
Empcora (Wettbewerbsscan) / Wayback Machine

Häufiger Fehler: Was Wettbewerber tun ist NICHT der Maßstab — auch wenn alle „klimaneutral" schreiben, bleibt es ab 27.09.2026 verboten.

Punkt 7Dokumentationsstand zu Nachhaltigkeit prüfen

Was zu tun ist: Welche Dokumente liegen aktuell vor? CO2-Bilanz nach GHG Protocol? Lebenszyklusanalyse (LCA)? Lieferanten-Audits? ISO 14001? B-Corp-Zertifikat? Erstellen Sie ein Inventar aller Nachweise mit Erstellungsdatum, Gültigkeit und prüfender Stelle.

Wer
Legal
Aufwand
~1 Tag
Tool
Excel-Inventarliste / Dokumentenmanagement

Häufiger Fehler: Veraltete Zertifikate werden nicht aussortiert — Nachweise älter als 24 Monate gelten meist als nicht mehr aktuell.

Punkt 8Abmahnrisiko-Stand prüfen

Was zu tun ist: Hat es in den letzten 24 Monaten Abmahnungen, einstweilige Verfügungen oder Beschwerden im Zusammenhang mit Werbeaussagen gegeben? Diese sind wertvoller Indikator für problematische Themen. Sprechen Sie mit Vertrieb und Kundenservice — auch informelle Beschwerden zählen.

Wer
Legal
Aufwand
~2 Stunden
Tool
Anwalts-Akten / Ticketsystem-Suche

Häufiger Fehler: Nur juristische Abmahnungen werden gezählt — auch verbraucherschutz-Beschwerden und Wettbewerbszentrale-Hinweise sind relevant.

Punkt 9Compliance-Score baseline ermitteln

Was zu tun ist: Berechnen Sie einen Compliance-Score (0–100). Empcora liefert diesen automatisch. Beispiel: Bei 12 Per-se-Verboten und 47 nachweispflichtigen Begriffen ohne Beleg ist der Score sehr niedrig. Dieser Wert ist Ihr Ausgangspunkt — er sollte sich bis September 2026 auf 90+ entwickeln.

Wer
Marketing/Legal
Aufwand
~30 Minuten (mit Tool)
Tool
Empcora

Häufiger Fehler: Der Score wird einmalig erhoben und nicht regelmäßig nachgemessen — er muss wöchentlich beobachtet werden.

Punkt 10Kommunikationsplan für die Umstellung erstellen

Was zu tun ist: Wie wird intern kommuniziert, dass bestimmte Begriffe verboten sind? Wer wird geschult? Wann erfolgt der Rollout? Welche Marketing-Kampagnen müssen pausiert oder umgeschrieben werden? Ein zeitlicher Stufenplan bis 27.09.2026 verhindert Last-Minute-Hektik.

Wer
Geschäftsführung
Aufwand
~4 Stunden
Tool
Projektmanagement-Tool (Asana, Jira, ClickUp)

Häufiger Fehler: Marketing wird ohne Geschäftsführungsrückendeckung aktiv — interne Konflikte um „weichere" Texte sind absehbar.

Punkt 11–18

Per-se-Verbote eliminieren

Per-se-Verbote sind Aussagen, die unabhängig vom Nachweis verboten sind. Hier hilft kein Beleg — der Begriff muss weg. Diese acht Punkte sind die wichtigsten Schritte der gesamten Checkliste, weil sie die größten Bußgeldrisiken adressieren. „Klimaneutral" durch CO2-Kompensation, generische „Bio"-Auslobungen ohne Zertifizierung und selbsterstellte Siegel sind die Top-3-Abmahngründe der ersten Welle.

Punkt 11Begriff „klimaneutral" konsequent entfernen

Was zu tun ist: „Klimaneutral" wird durch die EmpCo-Richtlinie zum Per-se-Verbot, wenn der Begriff sich auf das Endprodukt oder Unternehmen bezieht und dies durch CO2-Kompensation erreicht wird. Streichen Sie den Begriff vollständig aus Werbung, Verpackung, Pressetexten und Website. Ersatz: konkrete Zahlen wie „Scope-1-Emissionen um 32 % reduziert seit 2020".

Wer
Marketing
Aufwand
~1 Tag (je nach Umfang)
Tool
Empcora / CMS-Suche & Ersetzen

Häufiger Fehler: Der Begriff bleibt in Sub-Domain-PDFs, alten Newslettern oder im Meta-Title bestehen.

Punkt 12„CO2-neutral" und „klimapositiv" überarbeiten

Was zu tun ist: Auch „CO2-neutral", „CO2-frei", „klimapositiv" und „carbon negative" fallen unter die Per-se-Verbote, wenn sie auf Kompensation beruhen. Ersetzen Sie durch faktische Aussagen wie „Bilanziell durch zertifizierte Kompensationsprojekte ausgeglichen — Restemissionen 1,2 t CO2e pro Produkt".

Wer
Marketing/Legal
Aufwand
~4 Stunden
Tool
Empcora / Texteditor

Häufiger Fehler: Statt einer faktischen Beschreibung werden weiche Synonyme wie „klimafreundlich" verwendet — diese sind ebenfalls problematisch.

Punkt 13Reisen und Logistik-Aussagen anpassen

Was zu tun ist: Aussagen wie „klimaneutrale Lieferung" oder „nachhaltiger Versand" werden ab September 2026 abmahnfähig. Streichen Sie pauschale Aussagen. Falls Versand über DHL GoGreen oder ähnliche Dienste läuft: konkret benennen mit Verweis auf das Kompensationsprogramm und dessen Standard.

Wer
Marketing
Aufwand
~3 Stunden
Tool
Versanddienstleister-Dokumentation

Häufiger Fehler: Logistik-Partner werden nicht informiert, dass deren Standardtexte ebenfalls problematisch sind.

Punkt 14Pauschalaussagen zu Tierschutz und Tierwohl streichen

Was zu tun ist: Begriffe wie „artgerecht" oder „besonders tierfreundlich" sind nur erlaubt, wenn sie über gesetzliche Mindeststandards hinausgehen UND nachgewiesen werden. Bei Marken ohne Bio- oder Premiumzertifizierung sollten diese Begriffe entfernt werden.

Wer
Marketing/Legal
Aufwand
~2 Stunden
Tool
Empcora

Häufiger Fehler: Tierschutz-Aussagen werden in Bildunterschriften vergessen — auch Bildbeschreibungen müssen geprüft werden.

Punkt 15Begriff „bio" auf Zertifizierung prüfen

Was zu tun ist: „Bio" und „organic" sind in der EU geschützte Begriffe — Verwendung ist nur erlaubt mit gültiger EU-Bio-Zertifizierung (Verordnung 2018/848). Prüfen Sie, ob alle Produkte mit „bio"-Auslobung tatsächlich zertifiziert sind. Falls nicht: sofort entfernen.

Wer
Legal
Aufwand
~3 Stunden
Tool
Zertifikatsregister / Lieferantendokumentation

Häufiger Fehler: Untergeordnete Inhaltsstoffe werden als „bio" beworben, obwohl das Endprodukt keine Bio-Zertifizierung trägt.

Punkt 16„Vegan", „pflanzlich" und „natürlich" einordnen

Was zu tun ist: „Vegan" ist erlaubt, sofern korrekt — also keine tierischen Inhaltsstoffe. „Natürlich" hingegen ist sehr schwer haltbar, da fast alles in der Natur vorkommt. Prüfen Sie, ob „natürlich" durch konkrete Inhaltsstoff-Angaben ersetzt werden kann („mit Bio-Sheabutter") oder gestrichen werden muss.

Wer
Marketing
Aufwand
~2 Stunden
Tool
Inhaltsstoffliste / Rezepturdokumentation

Häufiger Fehler: „Natürlich" wird durch „aus der Natur" oder „natürliche Inhaltsstoffe" ersetzt — diese Formulierungen sind ebenso problematisch.

Punkt 17„Recycelbar" durch Recyclingquote ersetzen

Was zu tun ist: Pauschale „recycelbar"-Auslobungen sind problematisch, wenn das Material in der Praxis nicht recycelt wird. Prüfen Sie die tatsächliche Recyclingquote in Deutschland und beschreiben Sie diese konkret. Beispiel: „Verpackung aus 80 % Recyclat, in den Gelben Sack" — und dann der Hinweis auf die tatsächliche Verwertung.

Wer
Marketing/Legal
Aufwand
~4 Stunden
Tool
Verpackungsdatenbank / DSD-Berichte

Häufiger Fehler: Theoretische Recyclingfähigkeit wird mit tatsächlicher Verwertung verwechselt — z. B. bei Verbundstoffen.

Punkt 18Generische Siegel-Verweise streichen

Was zu tun ist: Pauschale Aussagen wie „nach Umweltstandard" oder „mit Nachhaltigkeitssiegel" ohne konkrete Benennung sind verboten. Entweder Siegel mit vollständigem Namen, ausstellender Stelle und Gültigkeit nennen — oder die Aussage komplett entfernen.

Wer
Marketing
Aufwand
~2 Stunden
Tool
Empcora / Zertifikatsverwaltung

Häufiger Fehler: Logos werden ohne textuelle Erläuterung verwendet — der Verbraucher kann das Siegel nicht zuordnen.

Punkt 19–28

Generische Begriffe ersetzen

Generische Begriffe wie „nachhaltig", „umweltfreundlich" oder „grün" sind nicht per se verboten — aber sie brauchen einen konkreten Nachweis und müssen so präzise formuliert sein, dass der Verbraucher den Bezug versteht. In dieser Phase ersetzen Sie pauschale Floskeln durch belegbare, messbare Aussagen. Das ist häufig die zeitintensivste Phase, weil hier echte Inhaltsarbeit nötig ist und nicht nur das Streichen von Begriffen.

Punkt 19„Nachhaltig" durch konkrete Maßnahme ersetzen

Was zu tun ist: „Nachhaltig" ist der Klassiker unter den verbotenen Begriffen. Ersetzen Sie durch die konkrete Maßnahme: statt „nachhaltige Produktion" → „Produktion mit 100 % Ökostrom seit 2024" oder „Materialien aus FSC-zertifizierter Forstwirtschaft". Jede Behauptung braucht ein Faktum.

Wer
Marketing
Aufwand
~1 Tag
Tool
Empcora / KI-Reformulierung

Häufiger Fehler: Der Begriff „nachhaltig" wird einfach durch „verantwortungsvoll" oder „bewusst" ersetzt — diese Synonyme sind ebenso problematisch.

Punkt 20„Umweltfreundlich" konkret untermauern

Was zu tun ist: „Umweltfreundlich" ist ohne Vergleichsmaßstab unzulässig. Erlaubt nur mit konkretem Bezug: „im Vergleich zur Vorgängergeneration 28 % weniger Wasserverbrauch im Produktionsprozess". Streichen Sie den Begriff überall dort, wo Sie keine messbare Vergleichszahl liefern können.

Wer
Marketing/Legal
Aufwand
~6 Stunden
Tool
Excel-Vergleichsmatrix

Häufiger Fehler: Vergleich ohne klare Bezugsbasis — „weniger Energie" ohne Angabe des Vergleichsmaßstabs ist nicht ausreichend.

Punkt 21„Grün" und „eco" entfernen oder spezifizieren

Was zu tun ist: „Grünes Produkt", „eco-friendly" oder „eco-line" ohne konkrete Nachweise sind verboten. Entweder konkrete Eigenschaft benennen („mit 50 % Recyclingmaterial") oder den Begriff komplett entfernen. Auch Markennamen mit „Eco" oder „Green" sind kritisch und sollten anwaltlich bewertet werden.

Wer
Marketing/Legal
Aufwand
~3 Stunden
Tool
Markenregister / Empcora

Häufiger Fehler: Bei Markennamen wird der „Eco"-Bestandteil als gegeben hingenommen — auch hier braucht es Begründung.

Punkt 22„Ressourcenschonend" mit Zahlen unterlegen

Was zu tun ist: „Ressourcenschonend" oder „ressourceneffizient" ist nur zulässig mit konkreter Mengenangabe. Beispiel: „Produktion benötigt 47 % weniger Wasser als der Branchendurchschnitt nach Studie X (2024)". Ohne Zahl bitte streichen.

Wer
Marketing
Aufwand
~4 Stunden
Tool
CO2-Bilanz / LCA-Bericht

Häufiger Fehler: Vergleich erfolgt mit veralteten Branchendurchschnitten — Daten älter als 36 Monate sollten nicht mehr verwendet werden.

Punkt 23„Fair", „fair gehandelt" und „fair produziert" prüfen

Was zu tun ist: „Fair" ist nur erlaubt mit Zertifikat (Fairtrade, Rainforest Alliance, GOTS) oder belastbarem Sozial-Audit. Prüfen Sie alle „fair"-Aussagen auf Belegbarkeit. Bei reinen Lieferanten-Selbstauskünften ohne unabhängige Auditierung muss der Begriff weg.

Wer
Legal
Aufwand
~5 Stunden
Tool
Zertifikatsregister / Lieferanten-Audits

Häufiger Fehler: Verlässt sich auf Lieferanten-Selbstauskünfte ohne unabhängige Prüfung — diese reichen für „fair"-Aussagen nicht.

Punkt 24„Ethisch" durch konkrete Standards ersetzen

Was zu tun ist: „Ethisch produziert" ist eine sehr unscharfe Aussage. Ersetzen Sie durch konkrete Bezüge: „nach amfori BSCI Stufe A geprüft", „SA8000-zertifiziert" oder „Lieferanten-Audit gemäß Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz Annex".

Wer
Legal/Marketing
Aufwand
~3 Stunden
Tool
Zertifikatsregister

Häufiger Fehler: Es wird auf vage Selbstverpflichtungen verwiesen, die keine konkreten Standards definieren.

Punkt 25„Lokal", „regional" und „aus der Region" definieren

Was zu tun ist: Diese Begriffe sind nur zulässig, wenn die Region genau definiert ist (z. B. „aus dem Allgäu, Lieferanten im Umkreis 80 km"). Pauschales „regional" ohne Geografie ist verboten. Erstellen Sie eine Definition Ihrer Region und prüfen Sie alle Lieferanten darauf.

Wer
Marketing/Legal
Aufwand
~4 Stunden
Tool
Lieferanten-Datenbank / Karte

Häufiger Fehler: Region wird unterschiedlich definiert je Produkt — es braucht eine unternehmensweit einheitliche Definition.

Punkt 26„Premium-Qualität" und „beste Wahl" entfernen

Was zu tun ist: Pauschale Bewertungen wie „beste Wahl", „Premium-Qualität" oder „Top-Produkt" ohne objektiven Vergleich sind verboten — das gehört zur klassischen UWG-Linie und gilt jetzt verschärft. Ersetzen Sie durch faktische Eigenschaften und konkrete Auszeichnungen (Stiftung Warentest, ÖKO-TEST mit Datum).

Wer
Marketing
Aufwand
~2 Stunden
Tool
Empcora

Häufiger Fehler: Werbetexter verteidigen den Begriff als „rein werbliche Sprache" — UWG-Rechtsprechung sagt etwas anderes.

Punkt 27„Gesund", „heilsam" und gesundheitsbezogene Aussagen prüfen

Was zu tun ist: Bei Lebensmitteln und Kosmetik gelten EU-Verordnungen (HCVO 1924/2006). Gesundheitsbezogene Aussagen brauchen EFSA-Zulassung. Prüfen Sie, ob alle gesundheitsbezogenen Aussagen tatsächlich auf der EFSA-Liste stehen — sonst sofort entfernen.

Wer
Legal
Aufwand
~5 Stunden
Tool
EFSA Health Claims Register

Häufiger Fehler: Es werden allgemein-gesundheitliche Aussagen verwendet, ohne EFSA-Bezug zu prüfen.

Punkt 28„Innovativ", „revolutionär" und „einzigartig" konkretisieren

Was zu tun ist: Diese Begriffe sind nur zulässig mit konkretem Vergleich. „Innovativ" → „erstes patentiertes Verfahren in Deutschland (Patent EP-XYZ)". Streichen Sie alle pauschalen Werbeschlagworte ohne nachweisbare Substanz.

Wer
Marketing/Legal
Aufwand
~3 Stunden
Tool
Patentdatenbank / Innovationsregister

Häufiger Fehler: Gewohnheitsmäßige Floskeln werden in Werbetexten nicht erkannt — eine separate Floskel-Liste hilft.

Punkt 29–36

Nachweise sammeln & dokumentieren

Compliance ohne Dokumentation ist wertlos. Wenn Sie keine Belege vorlegen können, gilt jede Behauptung als unbelegt — und damit als irreführend. In dieser Phase bauen Sie das Belegsystem auf, das Sie im Abmahnfall vorzeigen können. Die Investition in Phase 4 zahlt sich auch außerhalb der EmpCo-Compliance aus: Die gleichen Dokumente werden für CSRD, Lieferkettensorgfaltspflicht und Stakeholder-Reporting benötigt.

Punkt 29CO2-Bilanz nach GHG Protocol erstellen

Was zu tun ist: Für jede CO2- oder klimabezogene Aussage benötigen Sie eine professionelle CO2-Bilanz. Standard: GHG Protocol Corporate Standard mit Scope 1, 2 und 3. Bilanzen müssen jährlich aktualisiert werden. Bei kleineren Unternehmen reicht oft Scope 1+2; bei produzierenden Betrieben ist Scope 3 essenziell.

Wer
Legal/Geschäftsführung
Aufwand
~2–6 Wochen extern
Tool
GHG Protocol / externe Berater (myclimate, ClimatePartner)

Häufiger Fehler: Eigene Excel-Berechnungen ohne Standard — diese halten in der Abmahnung nicht.

Punkt 30Lebenszyklusanalyse (LCA) für Hauptprodukte beauftragen

Was zu tun ist: Für Aussagen zu Umweltleistung des Produkts braucht es eine LCA nach ISO 14040/14044. Beauftragen Sie diese für mindestens 3–5 umsatzstärkste Produktgruppen. Die LCA ist Grundlage für Aussagen wie „X % weniger Emissionen als Vorgänger".

Wer
Legal/Geschäftsführung
Aufwand
~3–6 Monate extern
Tool
LCA-Berater / Software (GaBi, SimaPro)

Häufiger Fehler: Nur ein Produkt wird analysiert und Ergebnisse werden auf das gesamte Sortiment übertragen — das ist nicht zulässig.

Punkt 31Lieferanten-Selbstauskünfte einholen und auditieren

Was zu tun ist: Für Aussagen zur Lieferkette brauchen Sie schriftliche Belege Ihrer Lieferanten. Erstellen Sie einen Standard-Fragebogen mit Belegpflichten. Bei kritischen Aussagen (Tierwohl, Sozialstandards) reicht Selbstauskunft nicht — dann braucht es ein Audit.

Wer
Legal
Aufwand
~3 Wochen
Tool
Lieferantenmanagement-System

Häufiger Fehler: Selbstauskünfte werden ohne Stichprobenkontrolle akzeptiert — mindestens 10 % der Lieferanten sollten geprüft werden.

Punkt 32Zentrales Nachweise-Repository einrichten

Was zu tun ist: Erstellen Sie eine zentrale Datenbank, in der jede Werbeaussage mit dem dazugehörigen Nachweis verknüpft ist. Format: Aussage / URL / Beleg-Dokument / Erstellungsdatum / Gültigkeit / Verantwortliche Person. So lässt sich bei Abmahnung sofort der Beleg vorlegen.

Wer
Legal/IT
Aufwand
~5 Tage Setup
Tool
Empcora / SharePoint / Notion

Häufiger Fehler: Belege liegen verstreut in E-Mail-Anhängen — eine zentrale Ablage ist Pflicht.

Punkt 33Versionierung der Werbetexte einführen

Was zu tun ist: Jede überarbeitete Werbeaussage muss versioniert sein. Welcher Text galt am 27.09.2026? Welcher am 01.01.2027? Bei Abmahnung müssen Sie nachweisen, dass die zum Zeitpunkt der Veröffentlichung gültige Version compliant war. Git oder CMS-Versionierung hilft.

Wer
IT/Marketing
Aufwand
~2 Tage Setup
Tool
Git / CMS-Versionierung / Wayback Machine

Häufiger Fehler: CMS überschreibt alte Versionen ohne Archiv — bei Klage gibt es keine Beweisgrundlage.

Punkt 34Externe Belegquellen sichern (Studien, Whitepaper)

Was zu tun ist: Wenn Sie sich auf externe Studien beziehen („nach Studie X 28 % Wassereinsparung"), müssen Sie diese Studie selbst archivieren. Externe URLs können verschwinden. PDFs lokal speichern, Bibliografie führen, Zugang zur Originalstudie sichern.

Wer
Legal
Aufwand
~1 Tag
Tool
Dokumentenmanagement / Zenodo / Google Scholar

Häufiger Fehler: Studie verschwindet vom Server — und damit der Beleg.

Punkt 35Methodische Transparenz auf der Website schaffen

Was zu tun ist: Erstellen Sie eine eigene Seite (z. B. /nachhaltigkeit/methodik), die offenlegt, wie Sie zu Ihren Aussagen kommen. Welche Berechnungsstandards? Welche Vergleichsbasis? Welche Annahmen? Dies stärkt die Belastbarkeit aller Aussagen.

Wer
Marketing/Legal
Aufwand
~3 Tage
Tool
CMS

Häufiger Fehler: Methodik-Seite wird nicht von der Hauptseite verlinkt — Verbraucher finden sie nicht.

Punkt 36Audit-Trail für jede Aussage führen

Was zu tun ist: Für jede Werbeaussage protokollieren Sie: Wer hat geprüft? Wann? Welcher Nachweis lag vor? Welche rechtliche Bewertung gab es? Dieser Audit-Trail schützt im Zweifelsfall, weil Sorgfaltsmaßstab dokumentiert ist.

Wer
Legal
Aufwand
~ laufend
Tool
Empcora (Monitoring) / Compliance-Tool

Häufiger Fehler: Es wird zwar geprüft, aber nicht dokumentiert — bei Klage ist die Sorgfaltsdokumentation entscheidend.

Punkt 37–41

Zukunftsversprechen prüfen

Aussagen über die Zukunft sind besonders heikel, weil sie naturgemäß nicht durch aktuelle Daten belegt werden können. Die EmpCo-Richtlinie verlangt, dass Zukunftsversprechen messbar, terminiert und mit konkreten Zwischenzielen versehen sind. Wer „bis 2030 klimaneutral" verspricht, muss einen Plan vorlegen können — sonst ist die Aussage abmahnfähig. Diese Phase betrifft vor allem Unternehmen mit Klimazielen oder Nachhaltigkeitsstrategien.

Punkt 37Aussagen wie „bis 2030 klimaneutral" prüfen

Was zu tun ist: Zukunftsversprechen sind besonders kritisch. Sie müssen messbar, terminiert und mit Zwischenzielen versehen sein. „Bis 2030 klimaneutral" allein reicht nicht — es braucht einen detaillierten Plan mit jährlichen Meilensteinen und Berichterstattung.

Wer
Geschäftsführung/Legal
Aufwand
~2 Wochen
Tool
Klimaschutz-Roadmap / Science Based Targets

Häufiger Fehler: Es gibt nur ein Endziel, aber keinen Plan — das fällt unter unzulässige Zukunftsbehauptung.

Punkt 38Verbindlichen Klimaschutzplan veröffentlichen

Was zu tun ist: Wenn Sie Klimaversprechen machen, muss ein verbindlicher Plan öffentlich einsehbar sein. Inhalte: Ist-Zustand der Emissionen, Reduktionspfad, Maßnahmenkatalog, Verantwortlichkeiten, jährliche Berichterstattung. Mehrseitiges PDF auf der Website.

Wer
Geschäftsführung
Aufwand
~3 Wochen extern
Tool
Externe Klimastrategie-Berater

Häufiger Fehler: Der Plan ist nicht öffentlich — dann ist das Versprechen rechtlich angreifbar.

Punkt 39Jährliches Reporting zum Fortschritt einrichten

Was zu tun ist: Veröffentlichen Sie jährlich einen Fortschrittsbericht. Dies kann Teil eines Nachhaltigkeitsberichts (CSRD-konform) sein. Wichtig: Vergleichbare KPIs über die Jahre, transparente Methodikbeschreibung, externer Auditor falls möglich.

Wer
Legal/Geschäftsführung
Aufwand
~6 Wochen pro Jahr
Tool
CSRD-Reportingsoftware / externe Auditoren

Häufiger Fehler: Reporting wird nicht jährlich aktualisiert — alte Versprechen veraltern und werden zur Falle.

Punkt 40Zwischenziele 2025/2027/2030 definieren

Was zu tun ist: Statt eines pauschalen Endziels brauchen Sie konkrete Zwischenziele. Beispiel: „2025: Scope-1-Emissionen um 25 % gesenkt; 2027: 100 % Ökostrom; 2030: Net-Zero in Scope 1+2". Diese Konkretisierung schützt vor Greenwashing-Vorwurf.

Wer
Geschäftsführung
Aufwand
~1 Woche
Tool
Science Based Targets initiative (SBTi)

Häufiger Fehler: Zwischenziele werden im Marketing nicht kommuniziert — nur das schöne Endziel ist sichtbar.

Punkt 41Umgang mit Plan-Verfehlungen kommunizieren

Was zu tun ist: Was passiert, wenn Sie ein Zwischenziel verfehlen? Definieren Sie vorab eine Eskalationsroutine: Anpassung des Plans, transparente Kommunikation, Auswirkungen auf Werbeaussagen. Schweigen ist die schlechteste Option und führt zu Greenwashing-Vorwurf.

Wer
Legal/Geschäftsführung
Aufwand
~3 Tage
Tool
Krisenkommunikationsplan

Häufiger Fehler: Bei Verfehlung wird das Versprechen still angepasst, ohne Kommunikation — das gilt als irreführend.

Punkt 42–46

Siegel & Zertifikate

Siegel sind Vertrauenssignale — aber nur, wenn sie unabhängig vergeben sind. Die EmpCo-Richtlinie verbietet selbsterstellte Siegel und unklare Zertifikatsverweise. In dieser Phase prüfen Sie alle visuellen Auslobungen auf Substanz. Bei Bestandsmarken mit eigenen Logos kann das eine Kostenposition werden — entweder durch Streichung der Logos oder durch Beauftragung einer unabhängigen Zertifizierung.

Punkt 42Inventar aller verwendeten Siegel erstellen

Was zu tun ist: Listen Sie alle Siegel, Logos und Zertifikate auf, die in Werbung, auf Verpackungen und Website verwendet werden. Pro Siegel: ausstellende Stelle, Gültigkeit, Zertifikatsnummer, geprüfter Umfang. Streichen Sie Siegel ohne aktuelle Gültigkeit.

Wer
Marketing/Legal
Aufwand
~1 Tag
Tool
Excel / Zertifikatsverwaltung

Häufiger Fehler: Siegel werden weiter genutzt, obwohl die Zertifizierung nicht erneuert wurde.

Punkt 43Selbsterstellte Siegel kritisch prüfen

Was zu tun ist: Ab dem 27.09.2026 sind selbsterstellte Siegel ohne unabhängige Zertifizierung verboten. Wenn Sie ein eigenes „Eco-Label" oder „Nachhaltigkeitsabzeichen" verwenden — sofort entfernen oder durch unabhängige Zertifizierung absichern.

Wer
Marketing/Legal
Aufwand
~2 Stunden
Tool
Empcora

Häufiger Fehler: Eigene Logos werden als „neutrales Siegel" wahrgenommen — auch wenn intern entwickelt.

Punkt 44Zertifizierung mit konkreter Stelle und Nummer angeben

Was zu tun ist: Wo immer ein Siegel verwendet wird, muss in unmittelbarer Nähe stehen: Name des Standards, ausstellende Stelle, Zertifikatsnummer und Gültigkeitsdatum. Beispiel: „GOTS-zertifiziert, Zertifikat-Nr. CU 123456, gültig bis 03/2027, Issued by Control Union".

Wer
Marketing
Aufwand
~3 Stunden
Tool
CMS / Designvorlagen

Häufiger Fehler: Logo wird ohne Zusatzinformationen verwendet — der Verbraucher kann das Siegel nicht überprüfen.

Punkt 45Werbung mit „nach Standard XY" detaillieren

Was zu tun ist: Aussagen wie „nach ISO 14001 zertifiziert" sind nur zulässig, wenn diese Zertifizierung tatsächlich besteht UND auf das beworbene Produkt anwendbar ist. ISO 14001 zertifiziert ein Managementsystem — nicht ein Produkt. Achten Sie auf den Geltungsbereich.

Wer
Legal
Aufwand
~2 Stunden
Tool
Zertifikatsdokumentation

Häufiger Fehler: Geltungsbereich der Zertifizierung wird auf Produkte ausgedehnt, die nicht erfasst sind.

Punkt 46Vergleichbarkeit der Siegel in der EU prüfen

Was zu tun ist: Bei EU-weiter Werbung: Ist das verwendete Siegel in allen EU-Ländern anerkannt und verständlich? Manche nationale Siegel (z. B. Blauer Engel) sind in anderen Ländern unbekannt. In Auslandsmarketing ggf. zusätzlich erläutern.

Wer
Marketing/Legal
Aufwand
~3 Stunden
Tool
EU-Ecolabel-Datenbank

Häufiger Fehler: Annahme, dass deutsche Siegel international verständlich sind.

Punkt 47–50

Monitoring & laufende Compliance

Compliance ist kein Projekt, sondern ein Prozess. Sobald Sie den Stichtag 27. September 2026 erreicht haben, beginnt die laufende Sicherung des Compliance-Status. Neue Marketinginhalte entstehen täglich, Wettbewerber werden abgemahnt und Rechtsprechung entwickelt sich. Diese vier Punkte sorgen dafür, dass Ihr Unternehmen dauerhaft auf dem geforderten Niveau bleibt — ohne wöchentliche manuelle Audits.

Punkt 47Wöchentliches Re-Scan-Monitoring einrichten

Was zu tun ist: Bestehende Compliance allein reicht nicht. Es kommen ständig neue Inhalte hinzu — Blogartikel, Pressemitteilungen, Newsletter, Produktbeschreibungen. Richten Sie ein wöchentliches automatisches Monitoring ein, das neue Compliance-Verstöße sofort meldet.

Wer
IT/Marketing
Aufwand
~30 Minuten Setup
Tool
Empcora Monitoring Pro

Häufiger Fehler: Monitoring läuft nur auf der Hauptseite — neue Subdomains und Microsites werden nicht erfasst.

Punkt 48Schulung aller Marketing-Mitarbeitenden durchführen

Was zu tun ist: Jede Person, die Werbetexte verfasst, muss die Verbote kennen. Halten Sie eine 90-minütige Schulung zur EmpCo-Richtlinie ab. Inhalte: Verbotene Begriffe, Per-se-Verbote, Nachweispflicht, Eskalationswege bei Unsicherheit. Wiederholen Sie die Schulung jährlich.

Wer
Legal/Marketing
Aufwand
~4 Stunden Vorbereitung + 90 Min Schulung
Tool
Schulungsfolien / E-Learning-Plattform

Häufiger Fehler: Externe Agenturen werden nicht geschult — diese produzieren Texte, die nicht compliant sind.

Punkt 49Freigabeprozess für neue Werbeaussagen etablieren

Was zu tun ist: Keine neue Werbeaussage darf mehr ohne Compliance-Freigabe veröffentlicht werden. Etablieren Sie einen Freigabeworkflow: Texter → Marketing-Leitung → Compliance/Legal → Freigabe. Dauer typisch 24–48 Stunden. Bei Eilfällen Eskalationsweg definieren.

Wer
Marketing/Legal
Aufwand
~1 Woche Setup
Tool
Workflow-Tool (Asana, Trello, Empcora)

Häufiger Fehler: Der Prozess ist zu langsam und wird umgangen — er muss schnell genug sein, um nicht zum Bottleneck zu werden.

Punkt 50Quartalsweise Compliance-Review mit Geschäftsführung

Was zu tun ist: Jedes Quartal trifft sich Compliance/Legal mit der Geschäftsführung. Themen: aktueller Compliance-Score, neue Abmahnungen in der Branche, EuGH-Urteile, geplante Kampagnen. Dieser regelmäßige Austausch verankert Compliance auf Top-Management-Ebene.

Wer
Geschäftsführung
Aufwand
~2 Stunden pro Quartal
Tool
Meeting-Protokoll / Compliance-Dashboard

Häufiger Fehler: Compliance bleibt operativ und kommt nie auf Geschäftsführungsebene — bei Krise fehlt das strategische Backing.

Zusammenfassung

Vier-Monats-Plan bis September 2026

Wenn Sie heute starten, ist die Umsetzung bis zum Stichtag am 27. September 2026 absolut realistisch. Der folgende Zeitplan zeigt, wann welche Phase abgeschlossen sein sollte. Wichtig: Nehmen Sie in jedem Monat ein bis zwei Pufferwochen für Unvorhergesehenes ein.

Monat 1
April 2026

Phase 1 abschließen: Audit, URL-Inventar, Compliance-Score-Baseline. Verantwortlichkeiten klären, Wettbewerber-Benchmark erheben.

Monat 2
Mai 2026

Phase 2 abschließen: Alle Per-se-Verbote eliminieren. Wichtigster Schritt — diese 8 Punkte sind nicht verhandelbar.

Monat 3
Juni–Juli 2026

Phasen 3 und 4: Generische Begriffe ersetzen, Nachweise sammeln. Externe Dienstleister beauftragen (CO2-Bilanz, LCA).

Monat 4
August 2026

Phasen 5 und 6: Zukunftsversprechen prüfen, Siegel-Inventar bereinigen. Schulungen für Marketing-Team durchführen.

Monat 5
September 2026

Phase 7 aktivieren: Monitoring scharfschalten, Freigabeprozess einführen, finale Compliance-Review. Stichtag 27.09.2026 erreicht.

Tools & Vorlagen

Verlinkbare Hilfsmittel

Diese Werkzeuge unterstützen Sie bei der Abarbeitung der Checkliste. Alle Tools sind direkt mit den passenden Punkten der Checkliste verknüpft.

Häufige Fragen

Antworten zur Umsetzung

Wie lange dauert die Umsetzung der gesamten Checkliste?+
Realistisch sollten Sie zwischen 4 und 6 Monaten einplanen. Für Phase 1 (Audit) reichen 2–3 Wochen. Phasen 2 und 3 (Eliminierung und Ersetzung verbotener Begriffe) dauern typischerweise 4–8 Wochen. Phase 4 (Nachweise sammeln) ist am zeitintensivsten — vor allem CO2-Bilanz und LCA brauchen externe Dienstleister mit Vorlauf von 6–12 Wochen. Wenn Sie heute starten, schaffen Sie bis zum 27.09.2026 alle 50 Punkte.
Welche Punkte sind die wichtigsten von den 50?+
Mit höchster Priorität sollten Sie die Punkte 1, 2, 11, 12 und 32 angehen. Punkt 1 und 2 (Audit + Erfassung verbotener Begriffe) sind die Grundlage — ohne sie wissen Sie nicht, wo Sie stehen. Punkte 11 und 12 (klimaneutral + CO2-neutral entfernen) betreffen die Per-se-Verbote, die ab dem ersten Tag bußgeldbewehrt sind. Punkt 32 (zentrales Nachweise-Repository) ist die zentrale Verteidigung im Abmahnfall.
Können wir die Checkliste auch ohne externe Hilfe abarbeiten?+
Phasen 1, 2, 3 und 7 können Sie weitgehend in Eigenregie umsetzen, sofern Sie ein automatisches Tool wie Empcora einsetzen. Phasen 4, 5 und 6 (Nachweise, Zukunftsversprechen, Zertifizierungen) erfordern in der Regel externe Expertise — etwa für CO2-Bilanz, LCA und Zertifikatsbewertung. Eine Faustregel: 70 % können Sie selbst machen, für 30 % brauchen Sie spezialisierte Berater oder Anwälte.
Was passiert, wenn wir nicht alle 50 Punkte schaffen?+
Priorisieren Sie nach Risiko. Die Per-se-Verbote (Phase 2) sind nicht verhandelbar — diese 8 Punkte müssen bis 27.09.2026 erledigt sein. Die generischen Begriffe (Phase 3) sind ebenfalls hochkritisch. Phasen 4 bis 7 können teilweise nach dem Stichtag fortgeführt werden, sofern Sie nachweisen können, dass Sie aktiv an der Umsetzung arbeiten. Wichtig ist eine dokumentierte Sorgfaltskette.
Welche Rolle spielt KI-generierter Content in der Checkliste?+
KI-Tools wie ChatGPT produzieren standardmäßig viele verbotene Begriffe, weil sie auf älteren Marketingtexten trainiert sind. Wenn Sie KI für Werbetexte einsetzen, brauchen Sie zwingend Punkt 49 (Freigabeprozess). Zusätzlich empfehlen wir, die Prompts so zu gestalten, dass sie verbotene Begriffe ausschließen — also ein „Negativ-Prompt-Manual" erstellen.
Wie oft muss die Checkliste durchgearbeitet werden?+
Die initiale Durcharbeitung ist einmalig. Phase 7 (Monitoring) sorgt jedoch dafür, dass Sie laufend compliant bleiben. Wir empfehlen ein vollständiges Re-Audit (Phasen 1, 2, 3) einmal pro Jahr. Bei größeren Marketingkampagnen oder Markteintritten in neue Regionen sollten Sie zusätzlich punktuell prüfen. Die Checkliste ist also ein lebendiges Dokument, kein einmaliges Projekt.
Können wir die Checkliste anpassen, wenn unser Unternehmen klein ist?+
Ja. Bei Unternehmen mit unter 50 Mitarbeitenden können einige Punkte vereinfacht werden. Phase 4 (CO2-Bilanz, LCA) ist für KMU oft nur eingeschränkt sinnvoll — hier reicht häufig eine Scope-1+2-Bilanz. Phase 5 (Zukunftsversprechen) wird in vielen KMU schlicht nicht gemacht — keine pauschalen Zukunftsversprechen sind die einfachste Lösung. Die 50 Punkte sind die Maximalvariante; KMU kommen oft mit 30–35 Punkten aus.
Punkte 1–10 automatisiert

Phase 1 in 30 Sekunden erledigen

Empcora übernimmt Punkt 1 (URL-Inventarscan), Punkt 2 (verbotene Begriffe identifizieren), Punkt 9 (Compliance-Score-Baseline) und liefert konkrete Reformulierungs-Vorschläge. So sparen Sie 8–12 Stunden Audit-Zeit und starten direkt mit der Umsetzung.

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100+ · verbotene Begriffe automatisch erkannt
DSGVO · keine Daten gespeichert