Wettbewerber, die sich mit „klimaneutral“ oder „nachhaltig“ einen unzulässigen Marktvorteil verschaffen, kann man abmahnen lassen. Die EmpCo-Richtlinie schafft dafür ab dem 27. September 2026 erstmals eine harmonisierte europäische Grundlage. Aber: Eine Abmahnung ist immer auch ein Risiko-Spiel.
Diese Seite zeigt, wann eine Wettbewerber-Abmahnung sinnvoll ist, welche Voraussetzungen erfüllt sein müssen, wie der Ablauf aussieht — und welche vier Risiken Sie unbedingt kennen sollten, bevor Sie eine Abmahnung aussprechen.
Eine Wettbewerber-Abmahnung lohnt sich nicht bei Bagatell-Verstößen. Sie lohnt sich, wenn ein direkter Mitbewerber durch unlautere Umweltwerbung systematisch Marktanteile gewinnt — und sich dadurch ein messbarer Umsatzeffekt zu Ihren Lasten ergibt. Klassische Konstellationen: ein vergleichbares Produkt zum gleichen Preis wirbt mit „klimaneutral“ und gewinnt deutlich an Listings, oder ein Mitbewerber dominiert SEO-Rankings mit Suchbegriffen wie „nachhaltig“ — die er selbst nicht belegen kann.
Nicht jede Greenwashing-Beobachtung rechtfertigt jedoch eine Abmahnung. Wer ohne saubere Aktivlegitimation oder mit unzureichender Beweislage vorgeht, riskiert einen Vergleichs- oder Prozessausgang zum eigenen Nachteil. Die rechtssichere Abmahnung ist immer ein juristisch begleiteter Vorgang — nicht eine Marketing-Maßnahme.
Vor jeder Wettbewerber-Abmahnung wird die eigene Werbekommunikation auf identische Risiken geprüft. Wer selbst mit „klimaneutral“ wirbt und dann andere abmahnt, riskiert eine sofortige Gegenabmahnung — mit doppelten Kosten und voll Reputationsschaden.
Diese vier Voraussetzungen müssen lückenlos erfüllt sein. Fehlt eine davon, scheitert die Abmahnung — entweder im Vorfeld an der Erstattungsfähigkeit oder spätestens im gerichtlichen Verfahren.
Sie müssen Mitbewerber nach österreichischem UWG sein. Konkret: Waren oder Dienstleistungen anbieten, die im sachlichen, räumlichen und zeitlichen Wettbewerb stehen. Allgemeine Branchenzugehörigkeit reicht nicht — entscheidend ist die Austauschbarkeit aus Kundensicht.
Der Verstoß muss in der Werbung aktuell und feststellbar sein. Bloße Vermutungen oder veraltete Cache-Inhalte sind ungeeignet. Empfehlung: Beanstandeter Inhalt zur Beweissicherung notariell archivieren lassen.
Der Verstoß muss spürbar sein, also geeignet, das Marktverhalten von Verbrauchern zu beeinflussen. Bei Greenwashing-Begriffen wie „klimaneutral” ohne Beleg ist die Wesentlichkeit nach europäischer Leit-Rechtsprechung regelmäßig gegeben.
Wer selbst greenwasht, wird im Verfahren regelmäßig auf eigene Verstöße verwiesen. Verteidigungsstandard ist die Gegenabmahnung. Vor jeder Abmahnung daher die eigene Kommunikation auf identische Risiken scannen.
Typischer Ablauf einer Wettbewerber-Abmahnung von der ersten Beobachtung bis zur einstweiligen Verfügung.
Eigene Wettbewerbsstellung dokumentieren, Verstoß abgrenzen, eigene Werbung gegenchecken.
Screenshots mit Zeitstempel, URL-Archivierung über web.archive.org, ggf. notarielle Beglaubigung.
Spezialisierte Kanzlei für Wettbewerbsrecht. Honorarklarheit, Kostenrisiko und Erfolgschance offen besprechen.
Schreiben mit Beanstandung, vorformulierter UE, Frist (5 bis 10 Werktage) und Kostennote.
UE akzeptieren, nachverhandeln oder einstweilige Verfügung beantragen.
Eine Abmahnung kann auch nach hinten losgehen. Diese vier Risiken sind die am häufigsten unterschätzten — und die größten Kostenquellen für leichtfertig eingereichte Abmahnungen.
Der Abgemahnte kann nach Erhalt der Abmahnung beim Wunsch-Gericht eine negative Feststellungsklage einreichen. Damit verlieren Sie die Wahl des Gerichtsstands.
Eine wachsende Zahl von Unternehmen prüft den Abmahner sofort auf eigene Verstöße. Wer selbst nicht sauber ist, wird mitabgemahnt — und der Schuss geht nach hinten los.
Wird der Abmahn-Anspruch vor Gericht verworfen, trägt der Abmahnende die vollen Verfahrenskosten plus eigene Anwaltskosten. Bei Streitwerten um 50.000 Euro entstehen Risiken im fünfstelligen Bereich.
Abmahnungen werden häufig öffentlich. Wer als „Abmahn-Wettbewerber“ wahrgenommen wird, verliert Sympathie bei Kunden, Partnern und Medien — besonders im ESG-affinen Umfeld.
Entscheidungsmatrix „abmahnen oder nicht“, Muster-Abmahnungsschreiben, Beweissicherungs-Checkliste und Kostenkalkulation.
PDF herunterladenBevor Sie abmahnen, prüfen Sie die eigene Kommunikation. Unser kostenloser Scanner findet verbotene Begriffe in unter 30 Sekunden.