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Alle Branchen Risiko: mittel

Druck & Verlag: Greenwashing 2026

Die Druck- und Verlagswirtschaft steht im Fokus wachsender Umweltbewusstheit und ist somit besonders abmahngefahrdet. Kunden erwarten zunehmend nachhaltige Druckprodukte und transparente Produktionsprozesse. Die EU-Richtlinie 2024/825 (EmpCo) verschärft ab 27.09.2026 die Anforderungen an die Kommunikation von Umweltinformationen und stellt insbesondere generische Behauptungen unter das Verbot. Das BGH-Urteil vom 27.06.2024 (I ZR 98/23 – Katjes) hat bereits klargestellt, dass die Verwendung von „klimaneutral“ ohne detaillierte Offenlegung der CO2-Berechnung und Kompensationsmethoden irreführend ist. Diese Rechtsprechung ist analog auf die Druck- und Verlagswirtschaft übertragbar. Ab 2026 wird auch transparent dokumentiertes Offsetting nicht mehr ausreichend sein, um „klimaneutral“ zu werben. Besonders kritisch sind Behauptungen wie „umweltfreundliche Druckfarben“ oder „nachhaltiges Papier“ ohne konkrete Zertifizierungen oder Nachweise. Druckereien und Verlage müssen ihre Kommunikation überprüfen und sicherstellen, dass sie den Anforderungen von EmpCo und dem UWG entsprechen. Eine transparente Darstellung der Umweltleistung, basierend auf anerkannten Standards und Zertifikaten, ist der Schlüssel zu einem abmahnsicheren und glaubwürdigen Marketing.

Typische Claims in Druck & Verlag

  • klimaneutraler Druck"
  • umweltfreundliche Druckfarben"
  • nachhaltiges Papier"
  • CO2-neutraler Offsetdruck"
  • ressourcenschonende Produktion"
  • umweltfreundliche Verpackung"
  • Kreislaufwirtschaft"

Konkrete Beispiele (rot/gelb)

  • „Klimaneutral gedruckte Broschüre“ ohne detaillierte Offenlegung der Kompensationsmethoden.
  • „Umweltfreundliche Druckfarben“ ohne Angabe von Zertifizierungen wie Cradle to Cradle.
  • „Nachhaltiges Papier“ ohne Nachweis der FSC- oder PEFC-Zertifizierung.

EmpCo-konforme Alternativen

Statt: Klimaneutral gedruckte Broschüre"
Besser: CO2-Fußabdruck der Broschüre beträgt X kg, kompensiert durch Gold Standard-Projekte in Y."
Warum: EmpCo Anhang I Nr. 4a verbietet die Verwendung von „klimaneutral“ ohne detaillierte Offenlegung und transparente Kompensation.
Statt: Umweltfreundliche Druckfarben"
Besser: Druckfarben Cradle to Cradle Certified™ Bronze Level"
Warum: Generische Behauptung durch konkrete Zertifizierung ersetzt.

Empfehlungen

  • Verwendung von FSC- oder PEFC-zertifiziertem Papier mit Lizenznummer.
  • Einsatz von Druckfarben mit Cradle to Cradle-Zertifizierung und Angabe des Zertifikatslevels.
  • Transparente Kommunikation des CO2-Fußabdrucks des Druckprozesses (Scope 1+2) und der Kompensationsmaßnahmen (Gold Standard, VCS).
  • Verwendung des EU Ecolabels für Druckprodukte, sofern die Kriterien erfüllt sind.
  • Dokumentation und Offenlegung der Herkunft des Papiers und der Druckfarben.
  • Vermeidung generischer Behauptungen wie „umweltfreundlich“ und stattdessen konkrete Fakten und Zertifizierungen nennen.

Anerkannte Zertifikate

FSC
Forest Stewardship Council – Zertifizierung für nachhaltige Forstwirtschaft.
PEFC
Programme for the Endorsement of Forest Certification – Alternative zu FSC, ebenfalls für nachhaltige Forstwirtschaft.
Cradle to Cradle
Zertifizierung für Produkte, die in einem geschlossenen Kreislauf recycelt werden können.
EU Ecolabel
EU-weites Umweltzeichen für Produkte und Dienstleistungen mit geringer Umweltbelastung.
Gold Standard
Zertifizierungsstandard für hochwertige CO2-Kompensationsprojekte.
VCS
Verified Carbon Standard – ein weiterer international anerkannter Standard für CO2-Kompensationsprojekte.

Relevante Urteile

BGH · I ZR 98/23 · 2024
Katjes – „klimaneutral“ ohne detaillierte Offenlegung der CO2-Berechnung und Kompensationsmethoden ist irreführend gemäß § 5 UWG.

Häufige Fragen

Was bedeutet EmpCo für Druckereien?

Ab 27.09.2026 verbietet EmpCo generische Behauptungen über Umweltfreundlichkeit ohne Nachweis (Anhang I Nr. 2 UCPD) und stellt „klimaneutral“ unter strengere Auflagen (Anhang I Nr. 4a).

Welche Zertifikate sind für Druckereien relevant?

FSC und PEFC für Papier, Cradle to Cradle für Druckfarben und EU Ecolabel für Druckprodukte sind wichtige Zertifizierungen, um Nachhaltigkeitsaspekte glaubhaft zu kommunizieren.

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