Mode & Textil: Greenwashing 2026
Die Modebranche steht nach EmpCo besonders im Fadenkreuz: H&M, Decathlon und Zalando wurden 2022-2024 wiederholt wegen Greenwashing gerügt. Die Niederländische Konsumentenschutzbehörde ACM hat 2023 H&Ms „Conscious Choice"-Kollektion komplett untersagt — Vorbild für Verbraucherschutzbehörden in DE/AT/CH. Ab dem 27.09.2026 gelten alle generischen Umweltaussagen ohne konkreten, messbaren Nachweis als irreführend nach § 5 UWG n. F. — egal ob auf Produkt-Label, im Online-Shop oder in der Werbung.
Typische Claims in Mode & Textil
- „nachhaltige Kollektion"
- „eco fashion"
- „umweltfreundliche Materialien"
- „fair produziert"
- „conscious"
- „green line"
- „recycelte Fasern"
- „klimaneutrales T-Shirt"
- „wasserarme Färbung"
- „circular fashion"
Konkrete Beispiele (rot/gelb)
- „Sustainable Collection" (H&M) ohne GOTS-Zertifikat — 2022 von der niederländischen ACM gerügt
- „Eco-friendly T-Shirt" mit 20 % recyceltem Polyester (Rest virgin) ohne Anteilsangabe
- „Conscious" — generischer Begriff ohne messbares Kriterium
- „Klimaneutrales Hemd" durch Pflanzen statt eigener Emissionsreduktion
- „Made in Europe" bei Konfektion in Bangladesch und Endfertigung in Portugal
EmpCo-konforme Alternativen
Empfehlungen
- GOTS-Zertifikat mit Lizenznummer (CU XXXXXX) und Anteil zertifizierter Baumwolle
- OEKO-TEX Standard 100 mit Prüfnummer und Klasse (I-IV)
- Materialzusammensetzung mit Prozentangaben (z. B. „60 % Bio-Baumwolle, 40 % recyceltes Polyester")
- Produktionsstandorte (Land, Stadt, Werk-Name) im Footer oder auf Produktseite
- Fair Wear Foundation oder Fairtrade Cotton statt Generic-Claims
Anerkannte Zertifikate
Relevante Urteile
Häufige Fragen
Darf ich „recycelt" auf einem T-Shirt bewerben?
Nur mit Anteils-Angabe und Quellen-Information. Beispiel: „65 % recyceltes Polyester (GRS-zertifiziert)" ist zulässig, „aus recyceltem Material" allein nicht. Das EU Ecolabel verlangt mindestens 80 % recyceltes Material für die Bewerbung als „recycelt".
Ist „Made in Europe" eine Greenwashing-Aussage?
Nicht per se, aber irreführend, wenn nur die finale Konfektion in Europa erfolgt. Nach Art. 60 UZK gilt: Made-in-Land = letzte wesentliche Be- oder Verarbeitung. Bei Mode wird das oft missbraucht — z. B. Stoff aus Bangladesch, Nähen in Portugal = legal „Made in EU", aber irreführend.
Was bedeutet „circular fashion" rechtlich?
Rechtlich ist „circular" nicht definiert — daher ohne Substantiierung verboten (EmpCo Anhang I Nr. 4). Wer den Begriff nutzen will, muss messbare Kreislauf-Indikatoren angeben: % recyceltes Material, Take-back-Programm, Reparatur-Service, Lebenszyklus-Analyse (LCA).
Reicht ein einzelnes Bio-Baumwoll-Hemd in der Kollektion für „nachhaltige Kollektion"?
Nein — und das war der Kern des ACM-Verfahrens gegen H&M (2023). Wenn die Kollektion als „nachhaltig" beworben wird, müssen die Mindeststandards für alle Artikel der Kollektion gelten, nicht nur für einzelne Hero-Pieces.
Wie hoch sind die Abmahnkosten in der Modebranche?
Im Mittel 2.500-8.000 € pro Verstoß, bei Wiederholung deutlich mehr. ACM-Bußgeld gegen H&M (NL): 250.000 €. Die Wettbewerbszentrale hat 2024 über 80 Abmahnungen wegen Greenwashing in der Modebranche ausgesprochen.
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