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Alle Branchen Risiko: hoch

Tourismus: Greenwashing 2026

Der Tourismus ist eine besonders abmahngefaehrdete Branche, da Verbraucher bei der Wahl ihres Urlaubsziels stark von emotionalen und umweltbezogenen Claims beeinflusst werden. Die EmpCo-Richtlinie 2024/825 verschärft ab dem 27.09.2026 die Anforderungen an die Transparenz und Nachweisbarkeit von Nachhaltigkeitsaussagen erheblich. Insbesondere die generische Verwendung von Begriffen wie „nachhaltig", „umweltfreundlich" oder „klimaneutral" wird strenger sanktioniert. Das BGH-Urteil vom 27.06.2024 (I ZR 98/23, Katjes) hat bereits klargestellt, dass „klimaneutral" ohne detaillierte Offenlegung der Berechnungsmethodik und Kompensationsprojekte irreführend ist. Dieses Prinzip lässt sich analog auf die Tourismusbranche übertragen: Reiseveranstalter und Hotels, die mit „klimaneutralen Reisen" oder „CO2-freien Urlaubsangeboten" werben, müssen nachweisen, wie die CO2-Emissionen berechnet und kompensiert werden. Die EmpCo-Richtlinie verbietet ab 2026 pauschal die Verwendung von „klimaneutral" (Anhang I Nr. 4a UCPD), selbst wenn die Emissionen durch hochwertige Kompensationsprojekte ausgeglichen werden. Stattdessen müssen konkrete Reduktionsziele und transparente Informationen über die Kompensationsmethoden kommuniziert werden. Auch die Verwendung von Begriffen wie „nachhaltiges Hotel" oder „umweltfreundlicher Urlaub" erfordert eine konkrete Substantiierung durch Zertifikate (Green Key, EU Ecolabel) oder messbare Kennzahlen (Energieeffizienz, Wasserverbrauch, regionale Produkte). Wer hier nicht transparent kommuniziert, riskiert Abmahnungen und Imageschäden.

Typische Claims in Tourismus

  • klimaneutrale reise"
  • nachhaltiges hotel"
  • umweltfreundlicher urlaub"
  • grünes reiseziel"
  • CO2-freie reise"
  • regionaler tourismus"

Konkrete Beispiele (rot/gelb)

  • „Klimaneutrale Pauschalreise" durch CO2-Kompensation ohne transparente Methodik.
  • „Nachhaltiges Hotel" ohne Zertifizierung oder konkrete Maßnahmen zur Reduktion des ökologischen Fußabdrucks.
  • „Umweltfreundlicher Urlaub" ohne Angaben zu Energieeffizienz, Wasserverbrauch oder Abfallmanagement.

EmpCo-konforme Alternativen

Statt: Klimaneutrale Reise"
Besser: CO2-Fussabdruck der Reise um 30% reduziert (Scope 1+2, 2024 vs. 2020), restliche Emissionen durch Gold-Standard-Projekte kompensiert."
Warum: EmpCo Anhang I Nr. 4a (Per-se-Verbot für „klimaneutral" ohne Offenlegung).
Statt: Nachhaltiges Hotel"
Besser: Green Key zertifiziert, 80% erneuerbare Energien, 50% regionale Produkte, Wassersparsysteme installiert."
Warum: Generischer Begriff durch konkrete Zertifizierung und messbare Kennzahlen ersetzt.
Statt: Umweltfreundlicher Urlaub"
Besser: Unterbringung in einem EU Ecolabel zertifizierten Hotel, Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel vor Ort, Unterstützung lokaler Projekte."
Warum: Konkrete Maßnahmen und Zertifikate statt vager Behauptungen.

Empfehlungen

  • Green Key oder EU Ecolabel für Hotels nutzen und öffentlich ausweisen.
  • CO2-Kompensation transparent darstellen: Projekt, Standard (Gold Standard, VCS), Scope.
  • Konkrete Nachhaltigkeitsmaßnahmen kommunizieren (Solaranlagen, Regenwassernutzung, regionale Produkte).
  • Lieferketten-Transparenz bei lokalen Partnern und Aktivitäten schaffen.
  • Regionale Angebote hervorheben, aber Distanzangaben präzisieren (OLG Düsseldorf).

Anerkannte Zertifikate

Green Key
Internationales Zertifikat für nachhaltige Hotels und Unterkünfte.
EU Ecolabel
EU-weites Umweltzeichen für Produkte und Dienstleistungen, inklusive Hotels.
Travelife
Nachhaltigkeitszertifizierung für Reiseveranstalter und Hotels.
TourCert
Nachhaltigkeitsstandard für Reiseveranstalter, basierend auf GRI-Kriterien.

Relevante Urteile

BGH · I ZR 98/23 · 2024
Katjes — „klimaneutral" ohne Offenlegung der CO2-Berechnung und Kompensationsmethoden ist irreführend. Analog auf Reiseveranstalter übertragbar.

Häufige Fragen

Darf ich als Reiseveranstalter noch "klimaneutral" werben?

Nein, nicht mehr pauschal. Ab 27.09.2026 ist "klimaneutral" als Begriff verboten (EmpCo Anhang I Nr. 4a). Sie können den CO2-Fussabdruck der Reise transparent ausweisen und Kompensation nach anerkannten Standards (Gold Standard, VCS) kommunizieren.

Was bedeutet die EmpCo-Richtlinie für Hotels?

Hotels müssen ihre Nachhaltigkeitsmaßnahmen transparent dokumentieren und belegen, um irreführende Werbung zu vermeiden. Zertifikate wie Green Key oder EU Ecolabel sind empfehlenswert.

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