Worum es geht
Die niederländische Verbraucher- und Wettbewerbsbehörde Autoriteit Consument & Markt (ACM) hat 2021/2022 systematisch Online-Modehändler auf die Belastbarkeit ihrer Nachhaltigkeitsaussagen untersucht. Im Fokus standen H&M („Conscious", „Conscious Choice") und Decathlon („Ecodesign"). Die ACM stellte fest, dass beide Labels suggerierten, ein Produkt sei nachweislich nachhaltig — ohne dass eine externe Zertifizierung oder eine öffentlich nachprüfbare Methodik vorlag.
Was die ACM beanstandete
Die Behörde dokumentierte drei zentrale Mängel:
- Pauschale Aussagen ohne Substanziierung. Die Labels wurden
- ohne Verweis auf konkrete Materialien oder Anteile vergeben. Eine
- T-Shirt-Kennzeichnung „Conscious" sagte nichts darüber aus, ob
- das Material zu 5 % oder zu 60 % aus
- Bio-Baumwolle bestand.
- Fehlende externe Prüfung. Die Kriterien waren intern definiert
- und nicht von einem unabhängigen Dritten überprüft. Verbraucher
- konnten die Vergabe nicht nachvollziehen.
- Vermischung mit etablierten Begriffen. Die Verwendung von
- „Conscious" („bewusst") und „Ecodesign" wirkte wie ein anerkanntes
- Siegel, war es aber nicht.
Die ACM stützte sich auf Art. 6, 7 UCPD (Richtlinie 2005/29/EG) und das niederländische Umsetzungsrecht, das schon vor der EmpCo strenge Anforderungen an Umweltaussagen stellte.
Folgen der Zusagen
Im Rahmen des ACM-Verfahrens gaben H&M und Decathlon verbindliche Zusagen (Selbstverpflichtungen) ab. Wichtig: Die ACM ist eine Verbraucherschutz- und Wettbewerbsbehörde, kein Gericht — sie verhängte kein Bußgeld und keine Geldbuße. Stattdessen wurde ein Maßnahmenpaket vereinbart:
- Entfernung bzw. Klarstellung der „Conscious"- bzw.
- „Ecodesign"-Labels und der zugehörigen Informationen auf Produkten
- und im Marketing.
- Anpassung der internen Nachhaltigkeitsrichtlinien gemäß den
- ACM-Guidelines „Sustainability Claims".
- Schulungsmaßnahmen für Marketing-Teams.
- Freiwillige Spenden an gemeinnützige Organisationen mit
- Nachhaltigkeitsbezug (Nachhaltigkeitsfonds). Es handelte sich
- ausdrücklich nicht um Bußgelder; die ACM sah von Sanktionen ab und
- überwachte die Einhaltung der zugesagten Selbstverpflichtungen.
Das Verfahren und die Zusagen wurden im September 2022 öffentlich bekannt gegeben und gelten als europaweit beachteter Präzedenzfall.
Relevanz für die EmpCo-Praxis
Das ACM-Verfahren ist aus mehreren Gründen für deutsche Unternehmen hochrelevant:
- Es zeigt, dass auch ohne ausdrückliche EmpCo-Norm bereits unter
- geltendem UCPD-Recht interne Nachhaltigkeitssiegel kassiert
- werden.
- Die EmpCo-Richtlinie (EU 2024/825) kodifiziert genau diesen
- Punkt: Eigene Siegel ohne
- anerkanntes Zertifizierungssystem sind ab 27.09.2026 per se
- verboten.
- Es zeigt die Härte länderübergreifender Durchsetzung — H&M ist
- ein schwedisches Unternehmen, das in den Niederlanden zur
- Rechenschaft gezogen wurde. Bei Tätigkeit im EU-Binnenmarkt ist
- jedes Land potenziell zuständig.
- Auch in Deutschland droht ab Anwendung der EmpCo-Vorgaben
- (27.09.2026) ein vergleichbares Vorgehen — entweder über die
- Verbraucherzentralen (Klage) oder über das BfJ (zukünftiges
- Bußgeldregime nach der UWG-Anpassung 2026).
Einordnung für die exponierte Branche Mode/Textil
Für die Branche Mode/Textil macht der Fall sichtbar, welche Formulierungen die ACM beanstandet hat: hauseigene Labels mit Nachhaltigkeitssemantik wie „Conscious", „Bewusst", „Green Choice" oder „Eco Edit" ohne externe Zertifizierung und ohne nachvollziehbare Per-Produkt-Angaben. Auch der Begriff „nachhaltig" selbst stand im Fokus. EmpCora prüft Webseiten auf genau solche Fundstellen und nennt die einschlägige Rechtsgrundlage — eine inhaltliche Beratung oder Umformulierung leistet der Dienst nicht.
Quelle
ACM-Mitteilung vom 13.09.2022 (englischsprachig). Die ACM-Guidelines „Sustainability Claims" sind frei zugänglich und werden auch von deutschen Verbraucherverbänden referenziert.

